Montag 18.7.83
(Anne) (nach japanischer Zeitrechnung 58) Eigentlich wollten wir heute los,. Aber die Karten haben uns gefehlt – Hiroshi hat dann genau dieses Fahrradmaps besorgt, als Geschenk! Außerdem haben wir noch Turnschuhe gebraucht. Mit Yumiko alle Schuhläden abgeklappert – für ca 40 DM zwei Paar ganz passable Dinger bekommen. Nachmittags halbwegs gepackt und ausprobiert alles zu laden. Sonst recht träge gewesen. Abends noch schnell mal zu dem komischen Baum gefahren im Park. Später noch Bilder von der DJH Rüsselsheim aus alter Zeit angeschaut.
Ergänzung: Die japanischen Jahreszahlen setzen sich aus dem Namen des Tenno (Kaiser) und dem Jahr seiner Regentschaft zusammen. Hirohito, 124. Tenno kam 1926 an die Regentschaft, folglich war 1926 das Jahr „1“. 58 Jahre später entsprechend war dann 1983. Erst später verstand ich, dass eben genau der Hirohito noch auf dem Thron saß, der die schlimmsten Gräuel der Japaner im 2. Weltkrieg zu verantworten hatte. Der mangelnde Wille Aufklärung der eigenen japanischen Schuld war damals ein Gesprächsthema mit Hiroshi, es wurde typisch japanisch, demütig mit einem Lächeln und Schulterzucken quittiert.
Die Straßenkarten waren außerordentlich wichtig. Wie schon erwähnt, war ganz Japan fast ausschließlich japanisch ausgeschildert. Ohne eine Karte auf der die Ortsnamen in Japanisch eingezeichnet waren (und größere in lateinischer Umschrift um fragen zu können), wäre man sicher völlig verloren gegangen.
Das Foto zeigt Anne bei dem „komischen Baum im Park“. Das Bild ist leider da völlig unscharf wo es scharf sein sollte, dafür ist die Werbung im Hintergrund bestens im Fokus. Aber analoge Fotografie zeigt eben die Bilder erst nach der Entwicklung und da gibt es dann keine Chance mehr zur Korrektur. Der Baum war deshalb so seltsam, weil er völlig verdreht war. Ich denke heute, es handelte sich um eine Art Würgefeige, die einen vorhandenen Baum als Träger benutzt und ihn dann langsam erwürgt (Im Bild rechts). Ist der erwürgte Baum, bzw. Teile davon, dann zerfallen, bleibt nur die Würgefeige übrig und schlingt sich dann um den nur noch als Hohlraum erkennbaren Trägerbaum. Anne hat ihr Tuch durch gezogen um das zu zeigen. Leider unscharf…